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Handgearbeitete Dirndljacken – back again …

Ich muss gestehen, ich bin rückfällig geworden. Ich kann es nicht lassen. Das Stricken lässt mich einfach nicht los. Traditionelles Handwerk fasziniert mich nun einmal, und Strick bietet da so viele Möglichkeiten. Und da ich tief im Herzen noch immer die Historikerin in mir trage, ist es vor allem das traditionelle Strickhandwerk, das es mir angetan hat. Vor allem da, wo sich Strick mit anderen Techniken kombinieren lässt, mit Stickerei zum Beispiel. Und obwohl ich ja aus dem hohen Norden stamme, sind es vor allem die Dirndljacken, auf die ich immer wieder zurückkomme. Besonders populär waren diese Strickjacken in den 30er und 40er Jahren, auch im angloamerikanischen Raum, in den fünfziger Jahren kamen sie auch hier bei uns wieder – und dann in den 80ern, mit der ersten großen ‚handmade‘ – Welle, dann gleich noch einmal. Handwerk mit historischem Bezug – einfach zu verlockend.

Und so habe ich wieder damit angefangen – Jacken, in den verschiedensten Farben und Mustern, gestrickt und mit Stickereien versehen. Eine ganze Reihe von Modellen sind noch in der Pipeline, aber die ersten sind fertiggestellt und fotografiert. Übrigens alles auf dem Hof, auf dem sich auch meine Werkstatt befindet – das passende Ambiente zu diesem schönen folkloristischen Stil, den ich einfach zeitlos finde. Ein paar Eindrücke? Natürlich gern 🙂

 

The opera, the opera …

An diesem Sonntag war’s mal wieder so weit: Das Wollarium hatte geschlossen – was auch an Wochenenden nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist – und wir mischten uns unters Berliner Bildungsbürgertum und besuchten einen der großen Kulturtempel der Stadt. Trotz der allerbesten Vorsätze kommt das nur ganz selten vor. Meistens enden wir irgendwo im Trivialen: Arbeit, Garten, Küche, und ein Abend draußen beim Wein hat durchaus seine Qualitäten. Aber am Sonntag haben wir uns hübsch gemacht und sind gleich ganz oben eingestiegen. Deutsche Oper. Wenn schon, denn schon.

Rückblickend fiel mir ein, dass ich vielleicht mein Outfit hätte fotografisch festhalten können – ein schönes grünes Kleid im 50er Stil (ausnahmesweise kein Original, sondern dazugekauft) mit dazu passendem Schmuck (der original), auch in zartem Grün.  So viele schöne Kleider, wie ich habe, gibt es doch nur selten Zeit, Muße und Gelegenheit, sie auch mal auszuführen. Aber der Moment verstrich ungenutzt, so ist das manchmal. Prioriäten … erzählen würde ich aber gern von dem Täschchen und den Handschuhen, die ich dabei hatte.

50er Abendtäschchen und Handschuhe

Der kleine schwarze Beutel, in den wirklich nur das Allernotwendigste hineinpasst, wäre mir für den Alltag viel zu winzig. Aber bei einem Theaterbesuch kann ich mich dann auch mal reduzieren auf Lippenstift, Taschentuch – und Schokolade. Dafür muss immer Platz sein, für den Notfall. Zu dem Täschchen und den Handschuhen gibt es eine kleine Geschichte: Vor einigen Jahren hat meine beste Freundin, die eigentlich im Ausland lebt, in Hamburg den Haushalt ihrer Eltern aufgelöst, ein kleines Haus, das schon seit Generationen stand, und aus dem die Geschichten eines langen gemeinsamen Lebens aufgelöst, verteilt und – ja, abgewickelt werden mussten. Während dieser Zeit brachte sie mir einmal ein kleines Päckchen mit. Sie hatte beim Auf- und Ausräumen das Täschchen und die dazu passenden Handschuhe gefunden, die ihre Mutter in ihrer Jugend bei Opernbesuchen getragen hatte. Irgendwie brachte sie es nicht übers Herz, das wegzuwerfen, konnte selbst aber nichts damit anfangen, und dachte an mich – das wäre genau das Richtige für meinen Geschmack … eine Weile lagen die schönen Stücke nun auch schon bei mir, aber jetzt hatten sie ihren Einsatz – stilvoll und hoffentlich im Sinne von Frau Dr. E. St. aus HH.

Der Schmuck stammt aus meiner eigenen Sammlung. Die zartgrüne Kette hab‘ ich gerade nicht greifbar, aber das Armband und den Ring: beide aus den 60ern, das Armband aus Silber, ein bisschen angehaucht vom Brutalist-Stil, der Ring, ein damals sehr populärer Rheinkiesel, in Silber gefasst.

Ring und Armband in Silber

Ein schöner Abend übrigens, Fortsetzung folgt …

Neue Jacke in Lachsrosa oder über die Tücken beim Fotografieren.

Die größte Kunst beim virtuellen Arbeiten ist wohl das Erstellen von Fotos, die den abgebildeten Gegenstand tatsächlich so wiedergeben, wie er tatsächlich aussieht. In meinen ganz frühen Tagen als Online-Shop-Betreiberin hatte ich einen Profi-Fotografen bei mir zu Gast, der Bilder von mir für einen Zeitschriftenartikel machte. Während er in meiner damals noch winzigkleinen Werkstatt seine Arbeitsgeräte aufbaute, plauderte er heiter vor sich hin, vermutlich, damit ich entspannt und freundlich aussehe, wenn es denn so weit war mit den Bildern.

Woran ich mich noch gut erinnere, war der Hinweis, dass der Hintergrund beim Fotografieren einen großen Einfluss auf die Farbigkeit des fotografierten Objekts hat. Daran musste ich denken, als ich versuchte, eine meiner Strickjacken zu fotografieren.

Die Jacke ist von einem hauchzarten – wirklich hauchzarten – Lachsrosa, eigentlich ein zweifädiges Garn, ein Faden – der dickere – wollweiß, dazu ein zweiter, sehr dünner in einem feinen Lachston. Ein warmer, rosiger Farbton, der vor dem ebenfalls warmen Braunton der Holzstapelwand nicht besonders zur Geltung kommt, sondern wie eingefärbt wirkt.

Ganz anders die Tönung vor der Schuppenwand in kühlem Grau. Der warme, rosige Ton der Jacke hebt sich nicht nur deutlicher ab, er wirkt klarer und neutraler, so wie er tatsächlich ist. Beide Hintergründe liegen übrigens in dieselbe Himmelsrichtung und nur drei Schritte von einander entfernt. Es liegt also nicht am Licht, sondern an dem, was der Hintergrund daraus macht. Faszinierend.

 

Ein kleines Stück weiter übrigens wachsen die letzten Reste der essbaren Gartenfrüchte. Leider sind die Nächte schon kalt hier ein kleines Stück nördlich von Berlin, und den Früchten fehlt es nicht nur an Sonne, sondern auch an Wärme und Süße.

Aber farbige Schönheiten gibt es noch:

Trotz Wochenend‘ und Sonnenschein …

Einen eigenen Shop zu haben (endlich … erwähnte ich endlich …?) allein heißt ja leider noch nicht viel, er muss auch noch gefüllt werden: Nachdem also quasi das Ladenlokal angemietet und die Regale und Vitrinen aufgebaut und hingestellt sind, müssen die Kisten mit den Waren ausgepackt werden. Und auch wenn unser Online-Shop nur virtuelle Vitrinen und höchstens zweidimensionale Regale hat — die Kisten mit den Waren sind durchaus real. Wie jeder bestätigen kann, der sich einmal hier umgesehen hat. Da aber der Laden nicht nur befüllt, sondern nebenbei auch noch weiter am Laufen gehalten werden muss, ging es bisher nur sehr langsam voran mit dem Auspacken und Einräumen. Am Wochenende haben wir daher eine Doppelschicht eingelegt und durchgearbeitet. Ausgepackt, fotografiert, gemessen, gewogen … Und sortiert. Ganz viel sortiert …

Die obligatorischen Sammeltassen, bevorzugt von links nach rechts und zurück, so dass sie weder im Weg standen noch Gefahr liefen, Schaden zu nehmen.

Und dann hatten wir noch bisher weitgehend unbetrachtet gelassene Kisten mit Büchern. Vielen Büchern. Sehr schönen, sehr alten, wenn auch eher kleinen Büchern: Es sind Reclam – Miniaturen, etwa aus der Zeit zwischen 1875 und 1920, zum Teil sehr schön anzusehen, und einige sogar mit Exlibris.

 

 

Reclam Miniaturen

Es ist ja nicht so, dass wir nicht schon das eine oder andere Buch hätten, aber jetzt sind es noch ein paar mehr: Der Freiherr von Knigge wird ganz sicher im Wollarium – Bücherregal bleiben, und ein paar andere werden ihm Gesellschaft leisten. Der Rest der Schönheiten wird den Weg ins Ladenregal finden. Demnächst.

Irgendwann am Sonntag hatten wir nämlich nicht nur genug von Bildschirmen und Tastaturen, sondern waren auch mit der Konzentration am Ende, so dass wir das Wochenende doch noch mit einem Sonntagsspaziergang im Sonnenschein beschlossen haben – im Park der nächstgelegenen Schlossruine. Brandenburg schein voll davon zu sein – zahllose kleine, große und riesige verlassene Plätze. Dieser hier gehört eher zu den mittleren, hat aber den ganzen Charme eines verzauberten Märchenschlosses bewahrt. Hier ist ein Seiteneingang zu sehen – komplett mit Türglocke zur Rechten (die Spinnweben und die Unkrautranken sind auf dem Foto nicht zu sehen …) – und nicht etwa den Eingang zum Wollarium 😉

Schloss Marquardt